Ich versprach im letzten Beitrag, dass ich näher auf den Habitus in Tempeln und Schreinen eingehen werde. Das Versprechen halte ich hiermit ein!
Ganz kapiert haben wir den tieferen Sinn der zahlreichen Rituale natürlich nicht, aber an einigen haben wir doch interessiert teilgenommen. Vom Besuch einer christilichen Kirche unterscheiden sie sich sehr stark, manches davon macht sogar richtig Spaß. Hier folgt nun meine Top 5 der Dinge, die man in einem Tempel machen kann:
Platz 5: Räucherstäbchen anzünden
Das war wohl keine Überraschung! Räucherstäbchen haben ja auch in so manchen westlichen Haushalt Einzug gehalten, aber sicher nicht in diesen Mengen! Teilweise brennen Tausende dieser kleinen Glimmstengel parallel in dafür aufgestellten Sandbottichen. Die Gläubigen „reinigen“ sich in diesem heiligen Rauch. Sie halten ihre Hände darüber, ihre Gesichter, atmen ihn ein und reiben ihn auf ihre Haut. Ihm werden heilende Kräfte zugeschrieben und entsprechend Groß ist daher in vielen Tempel der Andrang an diesen fernöstlichen „Räuchermännchen“. Mein Stäbchen ist mittlerweile nur noch ein winziges Restchen Asche irgendwo im fernen Nippon.
Platz 4: Glocken läuten
Glocken wecken die Geister! Wortwörtlich kann man das in Japan nehmen, denn vor den Schreinen befinden sich Glocken, die von den Gläubigen meistens mit Hilfe langer Seile geläutet werden können. Dies tut man vor einem Gebet, damit die Geister, die angebetet werden, auch zuhören! Sie würden nämlich sonst in ihren Häuschen seelenruhig schlafen. Gerade an vielbesuchten Schreinen bimmelt es ununterbrochen. Mich als Geist würde das ja eher zornig machen, als milde stimmen, um Gebete zu erhören! Aus Respekt vor der Ruhe der übernatürlichen Wesen habe ich auch niemals an so einem Seil gezogen.

Solche großen Glocken dürfen leider nur Priester läuten.
Platz 3: Opfergaben kaufen
Wer als müder, hungriger und durstiger Tourist nach einer langen Sightseeingtour in einen Tempel kommt und denkt: „Hey super, die haben hier ja einen Kiosk!“, der wird eine böse Überraschung erleben. Was da so schmackhaft bunt verpackt im Schaufenster liegt, dient nicht der Labung des eigenen Körpers! Vermutlich ist das Meiste von dem Zeug völlig ungenießbar und besteht aus irgendwelchem alten Reisgebäck. Es handelt sich nämlich um Opfergaben, die man praktischerweise vor Ort kaufen und ein paar Meter daneben als Gabe für die Götter oder Geister niederlegen kann!

Beinahe ein ganzer Markt für Opfergaben!
Platz 2: Wünsche auf Holztäfelchen schreiben
Die Mischung aus Buddhismus und Shintoismus hat schon etwas für sich, vor allem vom wohlwollenden Aspekt her betrachtet. Man hat es als Gläubiger sehr leicht, Wohl für sich und seine Lieben zu „erkaufen“ und das für ungemein niedrige Preise. Man bezahlt einfach in einem Tempel für ein kleines Holztäfelchen, schreibt dort seine Wünsche und Segnungen auf und hängt es zu den anderen an eine Art „Baum“. Die von Mönchen liebevoll ausgesägten Holztafeln kostet so zwischen 50 und 200 Yen und es fühlt sich gut an, seine Hoffnungen so an eine höhere Macht zu übergeben. Handfester als das Beten auf jeden Fall!

Meine Tafel ist die ganz links mit dem Smiley.
Platz 1: Orakelstäbchen ziehen
Das absolute Highlight in einem buddhistischen Tempel ist das Ziehen von Orakelstäbchen aus einer Orakeltrommel. Diese etwa ellenlange Holztrommel enthält nummerierte Stäbchen und hat an einer Seite ein Loch, durch das nur genau ein Stäbchen hindurch passt. So ähnlich also wie ein überdimensionierter Zahnstocherspender. Man schüttelt das Ding erst kräftig und bewegt es dann so lange hin und her, bis ein Stäbchen mit einer Nummer herauskommt. Diese merkt man sich, nennt sie dem Mönch, der einem die Trommel gegeben hat und erhält dafür einen ebenso nummerierten Zettel, auf dem – zum Glück mehrsprachig – das gezogene Orakel vollkündet wird. Die Prophezeiungen betreffen Themen wie Wohlstand, Gesundheit und Liebe und es gibt sie in verschiedenen Abstufungen. Ja, auch schlechte Nachrichten sind in der Trommel versteckt, wie der arme Lutz erfahren musste! Thorsten und ich zogen beruhigenderweise „Good Luck“, das ist beinnahe das Beste, was die Trommel hergibt. 2009 sollte also ganz gut werden! Wenn nicht, muss ich mir meine Reihenfolge dieser Liste noch einmal überlegen.
Frohes neues Jahr 2009 an alle!





































