Unser Fortbewegungsmittel Nummer eins für lange Distanzen in Japan war der weltberühmte Shinkansen. Eisenbahnliebhabern wird jetzt vermutlich das Herz aufgehen, denn dieser Hochgeschwindigkeitszug schlägt unseren ICE an futuristischem Design, Komfort und vor allem Pünkltlichkeit um Längen.

Es fängt beim Ticketkauf an: die Japan Rail-Angestellten beherrschen ihre Computer mit einer atemberaubenden Präzision. Während man in Deutschland an einem Schalter im Schnitt 30 Minuten verbringt um einen einfachen Regionalzug zu buchen, kommt man hier in unter drei Minuten (mitgestoppt!) zu drei Tickets inklusive Erklärung, wo man umzusteigen hat in englischer Sprache.

Auch die Bahnsteige sind ganz anders organisiert. Da der Zug immer auf den Zentimeter exakt in der Station hält, sind die Positionen der einzelnen Wagontüren genau vorherbestimmt. Am Boden gibt es daher Nummen, die es den Fahrgästen erlauben, sich genau dort anzustellen, wo ihr Wagen später halten wird. Das vermeidet langes Hin- und Hergelaufe und beschleunigt den Einstieg.

Man sieht hier sehr gut die Durchlässe an den Stellen, wo später die Türen sein werden.

Man sieht hier sehr gut die Durchlässe an den Stellen, wo später die Türen sein werden.

Der Shinkansen, der eigentlich nach dem Streckennetz benannt ist, auf dem er fährt, hat ein sehr futuristisches Design. Es gibt mehrere Typen, den Modernsten und Schnellsten davon konnten wir mit unseren JR-Pässen leider nicht fahren, aber auch die zugänglichen Linien waren sehr beeindruckend.

Der Shinkansen bei der Einfahrt in den Bahnhof.

Der Shinkansen bei der Einfahrt in den Bahnhof.

Die Wagons des Shinkansen sind unterteilt in mehrere für reservierte Sitzplätze und etwas weniger für frei verfügbare Plätze. Man hat also immer genau im Blick, wo man sich anstellen muß, wenn man vorher keine Platzkarte erworben hat. Außerhalb der Stoßzeiten bekommt man aber immer einen Platz.

Die Sitze sind relativ breit und bieten erstaunlich viel Beinfreiheit. Man reist also selbst in der „zweiten Klasse“ außerordentlich bequem. Es gibt viel Stauraum und einigen Service an Bord, zum Beispiel Getränkeautomaten, Ruheräume und einen ganzen Toilettenwagen. Hier sind lustigerweise die Pissoirs beinnahe mitten auf dem Gang, nur durch einen kleinen Stoffvorhang abgetrennt. So kann es einem leicht passieren, dass man am Pinkeln ist, während sich vor der direkt gegenüberliegenden Toilettentür die älteren Damen sammeln, die dort dringend mal müssen. Sehr ungewöhnlich.

An jedem Platz wird ausführlich der Zug erklärt.
An jedem Platz wird ausführlich der Zug erklärt.

Die Pünktlichkeit der Züge ist beeindruckend. Offenbar ist es aber so, dass ein Zug in jeweils genau einem Gleis fährt und sich so die diversen Linien nicht in die Quere kommen. Erreicht ein Zug seine Endstation, werden übrigens die Sitze im Inneren einfach in die andere Richtung geklappt und dann fährt er die Strecke wieder zurück.

Die Züge sind recht schnell und rasen auch durch bebautes Gebiet mit über 200 km/h. Die langen Strecken vergehen so wie im Flug und das Reisen ist mit einem ICE auf jeden Fall vergleichbar. Allerdings ist das Personal wesentlich freundlicher.