Die in jeder Hinsicht größte Sehenswürdigkeit in Nara ist der Tempel Todai-ji, das größte rein aus Holz gebaute Gebäude der Welt und der Tempel, der die größte Bronzebuddah-Statue der Welt enthält. Drei absolute Superlative in diesem ansonsten doch oft mit kleinen Dingen sehr zufriedenen Landes.

Das größte Holzgebäude der Welt - mehrfach abgebrannt.

Das größte Holzgebäude der Welt - mehrfach abgebrannt.

Die Entstehung der Anlage kann in das Jahr 741 zurückdatiert werden und ist eine Reaktion auf eine in den Jahren zuvor nahezu ein Drittel der japanischen Bevölkerung ausrottende Pockenepidemie. Unglaubliche Mengen an Material und Arbeitskräften wurden herangezogen, um die Landschaft zu ebnen, über 450 Tonnen Kupfer zu bearbeiten und dann noch das Holzgebäude darum herum zu errichten.

Durch mehrere Brände im Laufe der Jahrhunderte geriet auch die Buddah-Statue in Mitleidenschaft. Sie wurde immer wieder neu geformt und das heute dort zu sehende Exemplar ist angeblich ein Drittel kleiner als das ursprüngliche Original. Dieses wurde übrigens von einem koreanischen Meister hergestellt und später dann vergoldet.

Früher war er wohl noch größer!

Früher war er wohl noch größer!

Interessant ist auch, wie sich hier im Tempel Shinto und Buddhismus mischen. Innerhalb des Tempels gibt es nämlich einen der Gottheit Hachiman geweihten Schrein, die als Schutzgottheit für den Buddah gedacht ist. So beschützt also ein Shinto-Gott die Unversehrtheit einer Buddah-Statue!

Neben dem großen, 16,2m hohen Buddah gibt es noch einige Kleinere, die neben ihm sitzen und nicht weniger prächtig aussehen.

Auch der "Kleine" weiß zu beeindrucken!

Auch der "Kleine" weiß zu beeindrucken!

Die Anlage wird darüber hinaus von einem Paar eindrucksvoller Wächterstatuen beschützt, die grimmig und ehrfurchtgebietend auf ihren Podesten in gegenüberliegenden Ecken des Gebäudes stehen. Die Linke der beiden Statuen ist unten abgebildet:

Wer traut sich bei dem Anblick schon, Böses zu tun?

Wer traut sich bei dem Anblick schon, Böses zu tun?

Aber auch die rechte Figur lässt keine Schandtaten im Tempel zu. Wir hatten jedenfalls nicht vor, hier drin zu rauchen!

Ein Schelm, wer hier an Poseidon denkt!

Ein Schelm, wer hier an Poseidon denkt!

Nahezu unscheinbar und kaum hübsch zu nennen, aber dennoch eine der wichtigsten Figuren der Anlage fand sich dann draußen vor den Toren des Tempels. Vor den Toren deshlab, weil sich die Person, die durch sie dargestellt wird, mit schwarzer Magie und Zauberkunst beschäftigt hat. Es handelt sich um ein Abbild von Pindola-Bhāradvāja, einem Arhat, was die Bezeichnung für einen vollendeten buddisthischen Heiligen ist.

Der Legende nach soll man diese verwitterte Holzfigur aus dem 18. Jahrhundert an den Stellen anfassen, an denen man selber krank ist und danach sich selbst an eben dieser berühren, um zu gesunden. Blöd nur, wenn man Hämorrhoiden hat …

Das Häubchen und das Cape, dass er an hat, ist übrigens nicht von Archaeologen zum Schutze der empfindlichen Holzsubstanz angebracht worden, sondern entspringt der buddhistischen Tradition, die Statuen in der kalten Jahreszeit anzukleiden, damit sie nicht frieren!

Heilende Kräfte ganz ohne Krankenversicherung!

Heilende Kräfte ganz ohne Krankenversicherung!

In dem Tempel konnte man auch als Tourist und Ungläubiger an einigen typischen religiösen Bräuchen teilhaben. Über unsere Erfahrungen damit, auch in anderen Tempel, ein Orakel sowie heiligen Rauch werde ich aber gesammelt im nächsten Beitrag berichten.